Kritischer Konsum Konkret: Newsletter 9
Geschrieben von: Johannes Mirbach Montag, den 15. Juni 2009 um 18:14 Uhr
F L E C K E N A U F D E M T – S H I R T: Ein Bericht über „Saubere Kleidung“ oder Kleidung kritisch konsumieren
Paderborn, 15.Juni. Es geht nicht ohne. Seit Adam und Eva ihre Nacktheit entdeckten, trägt die Menschheit Kleidung, um den Körper zu bedecken, sei es nun aus Scham oder als Schutz gegen Sonne und Kälte. Das erste Menschenpaar begnügt sich noch mit einfachen Naturprodukten. Die Bibel berichtet, dass sie sich Feigenblätter anhefteten. Heutzutage gehen wir nicht in den Wald, sammeln ein paar Blätter und basteln daraus unsere Kleidung, sondern wir gehen in große Bekleidungsgeschäfte oder kleine Boutiquen, um uns Kleidung zu kaufen, andere bestellen auch per Katalog oder Online, um sich anzukleiden. Die Stoffe und auch die Kleidung selbst werden schon lange nicht mehr in Westeuropa produziert, sondern allergrößtenteils in Asien. Die wenigsten wissen, welchen Weg ein Kleidungsstück nimmt. So kommt es vor, dass die Baumwolle in Kasachstan geerntet, in der Türkei gesponnen, in Taiwan gewebt, in China gefärbt und das Ganze auf den Philippinen zusammengenäht wird. Von dort kommt es nach Europa. Entlang der gesamten Produktionskette begegnen uns Arbeitsrechtverletzungen, unwürdige Behandlung und Ausbeutung von Frauen und Kindern sowie aus ökologischer Sicht eine Menge CO²-Ausstoß. Die Bekleidungsindustrie gehört zu den am stärksten globalisierten Branchen der Welt und immer wieder entstehen neue Fabriken, die noch billiger produzieren können und dabei ihre meist weiblichen Arbeiter ausbeuten und unter menschenunwürdigen Bedingungen nähen lassen. Aber wen interessiert das schon. Wir fragen uns doch eher, was gerade der neue Sommertrend ist und welche Farbe mein nächstes T-Shirt haben sollte oder welchen neuen Marken-Turnschuh ich mir kaufe. Vielleicht fragt man sich noch, wenn große Discounter T-Shirts für wenige Euros anbieten, wie der Preis dafür zustande kommen kann, aber letztendlich ist man doch froh etwas Schickes und Preiswertes zum Anziehen gefunden zu haben, gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise.
Aber auch beim Auffüllen des Kleiderschrankes kann man nicht nur ökologisch, sondern auch fair einkaufen. Dies ist allerdings noch recht schwierig, denn die großen Labels legen meistens keinen Wert auf eine faire Produktion ihrer Waren. Sie lassen billigst und unter Dumpinglöhnen in Asien produzieren, verkaufen ihre Waren dann aber ziemlich teuer in westlichen Einkaufshäusern.
Doch es gibt auch andere Beispiele: Der BDKJ hat schon mehrere große Sozialaktionen (2002 „Fair gewinnt“, 2009 „72-Stunden-Aktion“) durchgeführt und hierzu vielfältige Merchandising-Produkte angeboten. So sind z. B. die T-Shirts zu den Aktionen fair gehandelt gewesen. „LamuLamu“ heißt die Marke. Sie ist ein bisher einzigartiges Konzept ökologisch produzierter und sozial fair gehandelter Kleidung. Unter dem Label „LamuLamu“ vertreibt der Landjugendverlag (Firma des KLJB-Bundesverbandes) seit 1998 Kleidung aus Biobaumwolle, deren gesamte Produktionskette vom Anbau der Biobaumwolle bis zum fertigen Kleidungsstück ökologisch und sozial zertifiziert wird. Auf der Homepage: www.lamulamu.de kann man weitere Informationen finden und auch Kleidungsstücke bestellen bzw. eigene Drucke in Auftrag geben.
Ein anderes Beispiel zeigt, dass sich der Gedanke einer fairen Wertschöpfungskette ganz langsam breit macht. Zwei Jungunternehmer aus Köln setzen auf Fairness, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Sie gründeten vor wenigen Jahren die Firma „armedangels“. Durch die Zusammenarbeit mit Fairtrade stellen sie sicher, dass die Baumwolle nicht mit Pestiziden verseucht ist und dass das Trinkwasser im Anbaugebiet nicht belastet wird. Weiterhin zahlen sie ihren Produzenten in Indien und ihren Nähern in Portugal einen Preis, der deutlich über dem Weltmarktniveau liegt. Damit können die Bauern in Indien ihre Familien ernähren und müssen nicht ihre Kinder aufs Feld schicken. Die T-Shirts sind zwar etwas teurer, aber dafür kann man sie ohne schlechtes Gewissen gut tragen. Ziel der beiden Jungunternehmer ist es, dass immer mehr Menschen Qualität statt Quantität kaufen und dass VerbraucherInnen gezielt konsumieren. Es lohnt sich auch mal im Internet nachzuschauen bei: www.armedangels.de
Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, fair gehandelte Kleidung zu erwerben: Wer nicht auf so ganz modisch bunt bedrucktes Design steht, aber dennoch fair produzierte Kleidung tragen möchte, sollte auch mal bei El Puente unter www.fairliebt.de im Bereich „Fair fashion“ nachschauen.
Andere Organisationen wie die Kampagne für saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign CCC) setzen sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Zulieferern deutscher Textil-Handelsketten ein. Sie informiert über aktuelle Arbeitsrechtverstöße in den Zulieferbetrieben, die sich meist in Entwicklungsländern befinden. Weitere Informationen findet man auch auf der Homepage: www.saubere-kleidung.de Hier kann man sich auch über die führenden deutschen Unternehmen in der Bekleidungsbranche und über die Kritik an den Unternehmen wie Adidas, Aldi, C&A, KiK und andere informieren. Weiterhin erhält man Aktionsideen und ein reichhaltiges Materialangebot zum Weiterlesen.
A K T I O N S V O R S C H L A G
Bestellt für eure nächste Aktion (Großveranstaltung, Ferienfreizeit, Gruppenstunde, Gremien) fair hergestellte T-Shirts und gestaltet sie gemeinsam. Ihr könntet sie wahlweise Batiken oder bemalen – seid einfach kreativ!
S T A T E M E N T
„Fair gehandelte Kleidung bedeutet für mich gerechte Bezahlung der Kleidungshersteller und damit die Chance auf ein menschenwürdigeres Leben und auf ein Stück gerechtere Welt. Außerdem wird der billigen Kleidungsproduktion durch Kinderhände vorgebeugt.“
(Barbara Ester, KJGlerin aus Bad Driburg)



